Interview mit Herrn Trochelmann

Musik, Pädagogik und Engagement

Marco Trochelmann im Gespräch mit Anna und Josephine. Das Gespräch wurde von einer KI in einen Text umgewandelt und dieser wurde anschließend von Frau Müller-Renker bearbeitet.

 

Verborgene Talente: Ein Blick hinter die Kulissen der Ostetalschule

 

Hinter dem täglichen Unterrichtsgeschehen verbergen sich oft Biografien, die eine Schule erst mit Leben und Charakter füllen. Lehrerporträts sind in dieser Hinsicht weit mehr als eine bloße Vorstellung; sie enthüllen jene verborgenen Talente und Erfahrungen, die unseren Schulalltag bereichern und menschliche Brücken zwischen den Generationen schlagen. In diesem Sinne luden Josephine und Anna von der Schülerzeitung Marco Trochelmann zum Gespräch ein. Als Fachbereichsleiter für Kunst, Musik und Darstellendes Spiel sowie Leiter der Fachschaft Musik ist er eine zentrale Instanz der Ostetalschule. Das Interview zeichnet den Weg eines Mannes nach, dessen berufliche Wurzeln tief in der praktischen Musikwelt liegen und dessen langjährige Verbundenheit zur Schule heute das Fundament für seine pädagogische Arbeit bildet.

 

Der Werdegang: Eine feste Instanz im Wandel

Marco Trochelmanns Wirken an der Ostetalschule ist untrennbar mit einem historischen Meilenstein der Institution verknüpft. Er trat seinen Dienst vor rund 15 Jahren an, das war exakt in der Phase, als sich die Schule in der Transformation von der Haupt- und Realschule zur Kooperativen Gesamtschule (KGS) befand.

In dieser Zeit des institutionellen Umbruchs übernahm er nicht nur Verantwortung im Klassenzimmer, sondern prägte zunächst als Fachleiter Musik das aktive pädagogische Kollektiv sowie ab 2015 als Fachbereichsleiter die administrative Ausrichtung. Diese Doppelrolle erforderte ein hohes Maß an Gestaltungswillen. Seine über anderthalb Jahrzehnte gewachsene Zugehörigkeit wirkt heute als stabilisierender Faktor für die gesamte Schulentwicklung. Durch seine Kontinuität schuf er verlässliche Strukturen im Fachbereich Musik, die den Schülern Sicherheit und Identifikation bieten. Doch dieser Weg zur Pädagogik war keineswegs geradlinig; er war geprägt von „echten“ Erfahrungen in der Arbeitswelt.

 

Multitalent hinter den Tasten: Ein facettenreiches Berufsleben

Pädagogische Authentizität speist sich bei Marco Trochelmann aus einem Reservoir an Erlebnissen jenseits des Elfenbeinturms. Sein Lebenslauf beweist, dass praktische Bodenhaftung und künstlerische Professionalität den Wert eines Mentors maßgeblich steigern.

  • Frühe Arbeitserfahrungen: Bereits als Teenager lernte Trochelmann die Härte körperlicher Arbeit kennen. In Fabriken stapelte er Holz und drückte Kartons aus. Das waren Tätigkeiten, die ihm früh Respekt vor unterschiedlichen Lebensrealitäten vermittelten.
  • Pädagogische Anfänge: Sein Talent zur Vermittlung zeigte sich früh. Mit nur 15 Jahren unterrichtete er seine erste Klavierschülerin, gab später Nachhilfe und legte so den Grundstein für seine didaktische Laufbahn.
  • Die Berliner Zeit: Während seines Studiums in Berlin tauchte er tief in die professionelle Musikwelt ein. Er verdiente sich sein Geld als Instrumentallehrer für Klavier, später auch für Schlagzeug und Fujara, sowie als Barpianist. Außerdem begleitete Herr Trochelmann Stummfilme am Klavier und arbeitete als professioneller Komponist und Musikproduzent.

Ob in verrauchten Clubs oder bei Auftragskompositionen - diese Ära als „echter“ Musiker verleiht seinem heutigen Unterricht eine Tiefe, die über Lehrbuchwissen hinausgeht. Er begegnet seinen Schülern als jemand, der das Geschäft von der Pike auf kennt, was seine Glaubwürdigkeit enorm stärkt.

 

Die Fachschaft Musik: Leidenschaft gegen den Mangel

Auf dem aktuellen Lehrermarkt herrscht ein akuter Mangel an Musikpädagogen. Marco Trochelmann reagiert auf diese strategische Herausforderung mit vollem Einsatz: Um das musikalische Angebot der Schule zu sichern, konzentriert er sich derzeit fast ausschließlich auf das Fach Musik, obwohl sein zweites Herzensfach Deutsch ist.

Neben seiner Tätigkeit als Klassenleitung einer elften Klasse engagierte er sich zudem drei Jahre lang im Seminarfach, um Oberstufenschüler gezielt auf die Anforderungen eines Hochschulstudiums vorzubereiten. Trotz dieser vielen Aufgaben ist es sein erklärter Anspruch, die Musik an der Ostetalschule nicht nur zu verwalten, sondern sie als lebendiges Herzstück der Schulgemeinschaft zu erhalten. Das ist eine Mission, die er besonders leidenschaftlich in der Orchesterarbeit mit seiner Kollegin Frau Friemann und gleichzeitig durch die BAND-Modell-Arbeit sowie durch die individuelle Förderung von musikalischen Talenten in der „Coaching-AG“ verfolge.

 

Das Blasorchester: Wo Disziplin auf Spielfreude trifft

Das Ensemblespiel ist weit mehr als eine künstlerische Ausbildung, es ist ein sozialer Katalysator. Im Blasorchester der Ostetalschule verschmelzen individuelle Fähigkeiten zu einem harmonischen Ganzen. Trochelmann schwärmt: „Mir macht das total viel Spaß. Ein ganz großes Orchester dieses Jahr!“

Im Dialog mit Josephine und Anna wird jedoch auch die Kehrseite deutlich. Die Schülerinnen loben das Orchester zwar als absolut empfehlenswert, benennen aber klar die Herausforderung: die notwendige Übungsdisziplin. Der Zeitaufwand ist eine Investition, die Schüler bewusst gegen andere Verpflichtungen abwägen müssen. Trochelmann begegnet diesem Leistungsdruck mit einer pädagogischen Finesse: Er vermittelt den Schülern, dass das Spiel selbst die beste Übung ist. „Manchmal verschwimmt das einfach“, erklärt er. Das ist ein Ansatz, der die Anstrengung in Flow-Erlebnisse verwandelt und den Erfolg des „Großen Orchesters“ erst ermöglicht.

 

Instrumente und Arrangements: Maßgeschneiderte fachliche Tiefe

Die Leitung eines Schulorchesters erfordert neben pädagogischem Geschick eine enorme fachliche Breite. Trochelmann beherrscht nahezu alle Instrumente des Ensembles, wobei er eine klare Präferenz für Blechblasinstrumente habe, zu denen er einen schnellen Zugang fand. Saxophon und Klarinette hingegen bezeichnet er als persönliche Herausforderungen.

Sein besonderes Qualitätsmerkmal ist das Schreiben eigener Arrangements. Für das Stück „Au Clair de la Lune“ habe er beispielsweise eine eigene Stimme für die Schlagwerker verfasst. Dass diese laut Trochelmann „noch ein bisschen schwierig“ ist, zeigt seinen Anspruch: Er kaufe nicht nur Noten von der Stange, sondern komponiere spezifisch, um einzelne Schülergruppen herauszufordern und optimal zu integrieren. Diese Detailarbeit sei die Brücke zwischen klassischer Orchesterleitung und seiner eigenen Historie in der Pop- und Rockwelt.

 

Rock-Historie und Band-Kultur: Zwischen „Borderline“ und Prioritäten

Vor seinem Studium in Berlin war Trochelmann als Keyboarder in der 70er-Jahre-Coverband „Borderline“ aktiv. Die Band tourte durch Zeltdiskotheken, Schützenfeste und spielte auf Open-Air-Veranstaltungen. Dass er als Musiker noch immer gefragt ist, beweist ein erst kürzlich eingegangener Anruf seines alten Schlagzeugers, der ihn für ein Comeback gewinnen wollte. Trochelmann lehnte jedoch ab. Das war eine bewusste Entscheidung für die Arbeit an der Schule.

Den Bandnamen „Borderline“ reflektiert er heute professionell und kritisch aufgrund der Assoziation mit der psychischen Erkrankung, was seine Sensibilität für gesellschaftliche Themen unterstreicht. Dennoch fließen seine Expertise und seine Erfahrungen in der BAND-Arbeit ins BAND-Modell mit ein. Regelmäßig berät er beispielsweise Schülerbands bezüglich ihrer Banddynamik oder bei der Namensfindung, wobei er stets betont: „Gute Namen entstehen oft aus dem Moment.“

Darüber hinaus wirkte er 25 Jahre lang als Jury-Mitglied und Workshopleiter beim Bundeswettbewerb „Treffen junge Musikszene“ (vom Bundesministerium bei den Berliner Festspielen) mit.

 

Ausblick: Visionen für den musikalischen „Flow“

Um der Qualitätssicherung willen strebt Trochelmann eine Weiterentwicklung der Probenkultur an. Sein Ziel sei es, dem starren 90-Minuten-Takt des Schulalltags zu entfliehen. Er plant „Intensivproben“, idealerweise an Wochenenden, um den Schülern ein tieferes Eintauchen in die Musik zu ermöglichen.

Hier greift seine Erfahrung aus der Berliner Profizeit: Nur durch Proben „am Stück“ könne jene künstlerische Exzellenz entstehen, die über das rein Handwerkliche hinausgeht. Er möchte den Schülern den Raum geben, die Musik ohne den ständigen Blick auf die Uhr zu erleben.

 

Finales Resümee: Authentizität als Vorbild

Marco Trochelmann verkörpert einen Lehrertypus, dessen Autorität auf Authentizität beruht. Sein Weg zum engagierten Fachbereichsleiter zeigt der Schülerschaft eindrucksvoll, dass Leidenschaft und Beständigkeit sich auszahlen.

Den emotionalen Schlusspunkt des Gesprächs setzte Trochelmann im Musikraum. Er setzte sich ans Klavier und begann eine spontane Improvisation. „Ich weiß jetzt auch noch nicht, was passiert“, sagte er und betonte damit die Unvorhersehbarkeit und Lebendigkeit der Kunst. In dieser Atmosphäre des gegenseitigen Respekts bedankten sich die Interviewerinnen. Es blieb das Bild eines Lehrers, der nicht nur Noten lehrt, sondern die Begeisterung für das Ungeplante und Schöpferische jeden Tag aufs Neue vorlebt.